Mach´s gut kleiner Mann – Mach´s gut Ysardir

Es ist ein sonniger Januar-Freitag. Die Messe Partner Pferd Leipzig – mit uns mittendrin – ist in vollem Gange, Werbung fürs Islandpferd ganz vorn dran, wir gehen gedanklich den nächsten Auftritt durch, um uns herum hunderte Menschen, Pferde, Gespräche, Eindrücke ohne Ende… – doch im Hintegrund sind wir unruhig, von Zuhause kamen schon am Morgen keine guten Nachrichten und wir warten auf den nächsten Anruf. Der kommt… ein Anruf, der alles um uns herum verstummen lässt, als wären wir für einen Augenblick in einer Seifenblase, als würde der Schmerz kurz alle Sinne betäuben… Optionen gibt es keine mehr…
Dass einer unserer Alltagshelden uns so unerwartet verlassen musste, beschäftigt uns immer noch, doch es ist höchste Zeit, noch einmal auf diesem Wege Abschied von Ysardir zu nehmen.

Ysardir kam 7jährig zu Ines, aus Köln, ganz schön wild, gut fünfgängig und mit Hang zur Geschwindigkeit könnte man sagen und absolut untauglich allein – ohne andere Pferde – zu überleben. Das bewies er von Anfang an mit turbulenten Rückwegen aus dem Gelände, durch Wiehern im Signalmodus, wenn man nur die Dorfstraße mit ihm entlang wandern wollte und im Höhepunkt mit einem eleganten Sprung über das Reitplatztor mitten im Reitabzeichenkurs, da ihm die Springstunde allein nicht so ganz passte…

Im Laufe der Jahre fand er allerdings im Alltag der Reitschule seine Berufung und entdeckte neue Talente. So ist er nicht nur hunderten Reitschülern als treuer Lehrmeister bekannt, der einem Timing und feine Hilfengebung (äußere hilfen auf dem Zirkel 😉 ) lehrte und dabei auch für die Kleinsten durch seine höfliche Art sicher händelbar war.

Er war der Sieger im Fahnenrennen, spielte ungeschlagen in der 1. Liga im Pferdefußball, konnte jede Bodenarbeitslektion und war wer weiß wie viele Jahre der Gewinner des Schönheitswettbewerbs der Reiterferien. Im Alltag völlig unauffällig, verlässlich aber nie langweilig. Vor einigen Jahren wurden dann die Schneidezähne aufgrund seiner EOTRH – Erkrankung gezogen – sodass er nun noch mehr Leckerlies von Kindern bekam, denn es fürchtete dann keiner mehr die Zähne.

Warum und woran genau wir unseren treuen Freund verloren haben, ist leider nicht klar, jedoch waren seine Koliksymptome an dem Morgen als unsere liebe Mitarbeitermannschaft ihn gefunden hat schon so schlimm, dass wir nach gründlicher Abwägung aller Optionen – wenn auch aus der Ferne – nur noch die erlösende Entscheidung für ihn treffen konnten.

Es bleibt ein leerer Platz in der Reitschulsattelkammer, ein helles Pferd zu wenig im Oldie-Paddock. 27 Jahre wäre er im April geworden, wir hatten locker mit 5 weiteren geplant, umsorgt von vielen kleinen und großen Ysardir-Fans – nun vermissen wir ihn alle gemeinsam, aber das hat er wohl mehr als verdient.

Mach’s gut, Ysardir!

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